Die Uni im Kapitalismus

Datum/Zeit
Montag - 18.12.2023
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort
Elchkeller

Kategorien:

Eintritt: Eintritt frei

Erreichbarkeit mit dem Rollstuhl: Veranstaltungsräume, Toiletten und ggf. Bar mit dem Rollstuhl erreichbar

Toiletten, ggf. Umkleideräume: aufgeteilt nach flinta*-only und all-gender

Kontakt: polbil@asta-hannover.de



Heiko Vollmann, Gesellschaftswissenschaftliches Institut (GI), www.gi-hannover.de

Die Uni im Kapitalismus, Teil 3:

Wissenschaftlicher Pluralismus, die Freiheit der Lehre und ihre Einschränkungen

Vortrag und Diskussion

Montag, 18.12.2023, 19 Uhr

Elchkeller, Schneiderberg 50 (neben der Hauptmensa)

In den Naturwissenschaften gilt der strenge Begriff der Wissenschaft praktisch. Diese finden Naturgesetze, die die beobachtbaren Phänomene mit strenger Allgemeinheit und Notwendigkeit regulieren und die sich widerspruchsfrei in ein System des Wissens einfügen. Die Ingenieurwissenschaften beweisen durch ihre technologische Forschung handgreiflich, dass man auf Basis der theoretischen Einsichten in die Naturgesetze und mittels der Herstellung spezifischer Randbedingungen für die Betätigung von Naturkräften Produktionsmittel bauen kann, mit denen man planmäßig Naturkräfte auf Arbeitsgegenstände wirken lassen und automatisiert identische Massenfabrikate erzeugen kann. Die Geltung des klassischen, objektiven Wahrheitsbegriffes, die Übereinstimmung des Denkens mit seinem Gegenstand oder dass das Denken schlichtweg „stimmt“, wird hier tagtäglich vorgeführt.

In den Geistes- und Sozialwissenschaften haben sich dagegen subjektivistische und relativistische Begriffe von „Erkenntnis“ durchgesetzt, die sich mit dem bloßen Fürwahrhalten zufrieden geben: Was wahr sei, sei erstens abhängig von der Stellung des Subjekts zur Sache, zweitens ein historisch zufälliger Konsens einer Mehrheit, der jeweils Minderheiten mit abweichenden Meinungen gegenüberstehen, drittens stets veränderlich und also gar nicht objektiv bestimmbar. Dass die vielen subjektiven „Perspektiven“ auf die Dinge oft im Widerspruch zueinander stehen und unvereinbare Begriffe der Sache hervorbringen, stört diese GeWis und SoWis nicht. Ihre wechselseitige Kritik richten sie statt auf die Stimmigkeit der Begriffsbestimmungen auf die Frage, ob die gewählte „Methode“ eingehalten wurde. Statt Wahrheit genügt Folgerichtigkeit, statt Objektivität der Erkenntnis die Plausibilität der Präsentation, die ihrerseits abhängt von dem zufälligen bias des Rezipienten der Theorie. Den Mangel an verbindlicher Erkenntnis verfabeln sie zur adäquaten Realisation der Freiheit des Geistes, wie sie der bürgerlichen Demokratie gut zu Gesicht stehe.

Wer am objektiven Wahrheitsbegriff festhält, seine Kritik der kapitalistischen Gesellschaft als wissenschaftlich begründet vorträgt, daraus gewisse politische Konsequenzen zieht und die bürgerlichen Theorien als Ideologien bekämpft, wird von den demokratischen Pluralisten im Wissenschaftsbetrieb ausgegrenzt. Gerade weil sie auf der Denknotwendigkeit ihrer Gesellschaftskritik beharren, gelten Marxisten als Feinde der Demokratie. Für den Staat hört hier der Spaß auf, und er legt fest, unter welchen Bedingungen er ihnen die Lehrbefugnis entzieht und Berufsverbote ausspricht.