Dienstag - 10.02.2026,
18:30 - 20:00
Theaterhaus Hildesheim
Eintritt: Eintritt frei
Erreichbarkeit mit dem Rollstuhl: Veranstaltungsräume, Toiletten und ggf. Bar mit dem Rollstuhl erreichbar
Toiletten, ggf. Umkleideräume: aufgeteilt nach flinta*-only und all-gender
Kontakt: afk37@riseup.net
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2026 könnte das Jahr werden, in dem in Deutschland erstmals seit der Niederlage des deutschen Faschismus eine rechtsextreme Partei Regierungsverantwortung bekommt. In den Umfragen zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt steht die AfD derzeit bei 41 Prozent. In Thüringen ist sie bereits im Herbst 2024 stärkste Kraft geworden, in Sachsen landete sie nur ganz knapp hinter der CDU. Das faschistische Potenzial der deutschen Gesellschaft tritt derzeit so offen zutage wie seit dem Ende des Nationalsozialismus nicht mehr. Parallel zum Erfolgskurs der extremen Rechten wird auf Seiten der Konservativen immer lauter das Ende der „Brandmauer“ gefordert, die sowieso schon immer sehr löcherig war.
Um den Aufstieg der AfD verstehen zu können, muss man ihn als Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen autoritären Entwicklung begreifen, die bereits weite Teile der Gesellschaft erfasst hat und sich bis in die politische Mitte beobachten lässt. Denn der sogenannte Rechtsruck misst sich nicht nur daran, wie viele Menschen in Wahlen der AfD ihre Stimme geben, sondern vor allem daran, in welchem Maße Themen, Positionen und Begriffe der extremen Rechten Eingang in den Mainstream gefunden haben – und wie viel Widerspruch sie dort noch erfahren. Die AfD ist nur Symptom dieser Entwicklung, aber nicht ihre Ursache.
In dem Vortrag wird der Aufstieg der AfD im Kontext von Krise und gesellschaftlicher Rechtsentwicklung betrachtet und auf das weit verbreitete autoritäre wie identitäre Bedürfnis eingegangen, aus dem sich der aktuelle Erfolg der extremen Rechten speist.
Thorsten Mense ist promovierter Soziologe und freier Journalist. Seine Forschungsschwerpunkte sind Nationalismus, rechte Bewegungen und Autoritarismus. Zusammen mit Judith Goetz hat er im Herbst 2024 den Sammelband »Rechts, wo die Mitte ist. Die AfD und die Modernisierung des Rechtsextremismus« herausgebracht.