Schriftsteller im Exil

Datum/Zeit
Donnerstag - 18.05.2017
20:30

Veranstaltungsort
Kino im Sprengel

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Kurztext: Filmabend mit zwei Filmen über Schriftsteller im Exil, beide Autodidakten, beide gefilmt von dem Autodidakten Farocki.

Mit diesem Filmabend würdigen wir den im Juli 2014 verstorbenen Filmemacher Harun Farocki, eine konstante Vaterfigur unserer Kinoarbeit. Fast drei Jahrzehnte lang begleiteten, ja prägten, seine Filme den politischen Diskurs der Bundesrepublik. Ende der Neunziger Jahre wanderten seine Arbeiten in die Kunst-Museen ab: Die politische Kinoszene Deutschlands war weggebrochen, es gab keine Verleiher mehr für seine essayistischen Wirklichkeitsdurchdringungen, auch das Fernsehen wollte nichts mehr riskieren. Der große Querdenker des deutschen Dokumentarfilms hat neben seinen Alltags- und Geschichtsanalysen auch wunderbare Porträtfilme geschaffen, von denen wir heute zwei zeigen. Zwei Schriftsteller im Exil, beide Autodidakten, gefilmt von dem Autodidakten Farocki.

– ZUR ANSICHT: PETER WEISS
von Harun Farocki, BRD 1979, 44 min., 16mm

Am 17. und 18. Juni 1979 war Farocki in Stockholm bei Peter Weiss zu Besuch. Er sprachen mit ihm über die Arbeit an seinem Buch “Die Ästhetik des Widerstands”. Davon waren zwei Bände zum Zeitpunkt des Gespäches schon erschienen, Weiss schrieb gerade am dritten Band.
“Seine Arbeit geht über zehn Jahre, und kein Satz ist aus der Luft gegriffen. Weiss hat unvorstellbare Materialforschung gemacht, das Leben einer Person, die als Modell dient, bis ins Kleinste studiert und, was für ihn sehr wichtig ist, fast immer den Schauplatz der Handlung aufgesucht. Der Film gibt eine Vorstellung von dieser Arbeit.” (Harun Farocki)

– GEORG K. GLASER – SCHRIFTSTELLER UND SCHMIED
von Harun Farocki, BRD 1988, 44 min., 16mm

Georg K. Glaser ist Arbeiter-Schriftsteller. Auch im wörtlichen Sinn: den Vormittag verbringt er am Schreibtisch, vom Mittag an ist er in seiner Ladenwerkstatt im Pariser Viertel Marais. Dort stellt er Schalen, Lampen, Vasen, Krüge und andere Metallarbeiten her. Er beherrscht Arbeitstechniken, die kaum noch ein anderer Schmied ausführen kann. 1910 in der Nähe von Worms geboren, riss Glaser früh von zu Hause aus und ging auf Wanderschaft, kam in Erziehungsheime und schloss sich den Kommunisten an. 1933 ging er in den Untergrund und flüchtete über das Saargebiet nach Frankreich. Dort bürgerte er sich ein, arbeitete bei den Staatsbahnen, wurde 1939 eingezogen und war bald in deutscher Gefangenschaft. Über Jahre mußte er einen Franzosen spielen, der gut Deutsch kann. Nach Flucht und Straflager kehrte er nach Paris zurück und ging bei Renault arbeiten. Er fand die Arbeit am Fließband unerträglich und menschenunwürdig. So hat Glaser vor beinahe 40 Jahren einen Handwerksbetrieb eröffnet, um in Gedanken und Praxis Kritik zu üben. Er verbindet die Handarbeit und das Schreiben und verweist dabei auf das französische Wort für Handwerker (artisan: da ist die Silbe art = Kunst enthalten, die Kunst ist noch nicht von der Arbeit getrennt). (Harun Farocki)

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturbüros der Stadt Hannover

Eintritt 5 Euro, HannoverAktivPass 2,50 Euro