MIETE ESSEN SEELE AUF

Datum/Zeit
Freitag - 14.06.2019
20:30

Veranstaltungsort
Kino im Sprengel

Kategorien


Steigende Mieten, Umwandlung in Eigentumswohnungen und Luxussanierungen waren vor 30 Jahren Anlass zur Gründung der Wohnungsgenossenschaft WOGE Nordstadt eG. Die Nordstadt wurde 1986 formell als Sanierungsgebiet der Stadt Hannover festgelegt. Es bestand die Gefahr des weiteren Verlusts von bezahlbarem Wohnraum und einer weiteren Privatisierung der Wohnungen. Die WOGE sollte als Alternative zu den traditionellen Trägern bezahlbare Mieten langfristig sichern, indem sie für ihre Häuser die Mietpreisentwicklung vom Wohnungsmarkt abgekoppelte. Außerdem wollten die Aktiven genossenschaftliche Wohnkultur fördern und stadtteilspezifische Wohnformen sichern. Heute gehören der WOGE 229 Wohnungen und 13 Gewerbeeinheiten in 28 Gebäuden auf 22 Grundstücken in der Nordstadt.

Die Themen von damals bewegen uns immer noch. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt sind alternative Modelle, die Wohnungen dem Kapitalmarkt entziehen und bezahlbaren Wohnraum langfristig sichern, wichtiger denn je. Eine breite öffentliche Diskussion ist notwendig, um sozial ausgerichtete, alternative Wohnmodelle weiter zu vervielfältigen und bezahlbares und selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen. Dazu sollen die Filmveranstaltungen zum 30jährigen Bestehen der WOGE anregen.

FR 14.6. 20.30 Uhr
– MIETE ESSEN SEELE AUF
von Angelika Levi, D 2016, 54 min., digital; Mitarbeit: Christoph Dreher

Kurztext: Beispiel Kotti & Co in Berlin. Filmveranstaltung zu den Fehlentwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und Diskussion alternativer Ansätze. Zum 30-jährigen Jubiläum der WOGE Nordstadt eG.

Im Mai 2012 zimmerten Bewohner der Sozialwohnungen am Kottbusser Tor, mehrheitlich türkischstämmige Nachbarn, aus Europaletten ein Protesthaus zusammen. Sie nannten es “Gecekondu”, d.h. “über Nacht erbaut”. Mit dieser Besetzung eines öffentlichen Platzes im Zentrum von Kreuzberg begann die Mieterinitiative Kotti & Co einen sichtbaren Widerstand gegen die massive Verdrängung von langjährigen Bewohnern aus der Innenstadt. Die Initiative fordert Mietobergrenzen sowie die Rückführung der Sozialwohnungen in städtisches Eigentum. Menschen mit sehr verschiedenen Biografien und politisch unterschiedlichen Ansichten begannen miteinander zu reden und ihre Geschichten zu teilen. Die Abgrenzungen und Vorurteile wichen einer positiven Verunsicherung, aus Nachbarschaft entstand Freundschaft.

MIETE ESSEN SEELE AUF verknüpft die Wohnungsfrage mit der Geschichte der Migration und betont eine Verbindung von Rassismus und urbaner Verdrängung. Im Film spielt der “Cottbusser Chor” mit, ein radikal postideologischer Chor, arrangiert und musikalisch komponiert von Nicholas Bussmann. Er versteht sich in der Tradition linker Laienchöre, doch die sonst hierarchische Struktur des Chors wird durchbrochen und eine musikalische Fährte gelegt, die das Thema des Films spiegelt: das Verhältnis von Kollektiv und Individuum.

Vorfilm: MIETERSOLIDARITÄT von Max Willutzki, BRD 1970, 13 min., Vorfilm, 16mm

Zwischen 1963 und 1974 wurde im Norden Westberlins das Märkische Viertel als Großsiedlung für insgesamt 60.000 Bewohner errichtet. Durch zu hohe Mieten und unzureichende Infrastruktur entstanden schnell soziale Probleme, das ehemalige Vorzeigeprojekt geriet in Verruf. Im Kontext der Studentenbewegung erschien das Märkische Viertel prädestiniert für die Kritik am kapitalistischen Städtebau und seinen Folgen. Der ehemalige dffb-Student und Filmemacher Max Willutzki zog 1969 selbst ins Märkische Viertel und dokumentierte mit Christian Ziewer und anderen die politische Stadtteilarbeit. MIETERSOLIDARITÄT zeigt, wie es dem Arbeitskreis Mieten und Wohnen gelingt, die Zwangsräumung der kinderreichen Arbeiterfamilie Puhle zu verhindern.

Nach dem Film besteht die Möglichkeit zu Diskussion und Austausch.

In Kooperation mit der WOGE Nordstadt und der Initiative Nordstadt Solidarisch.