Heimat ist ein Raum aus Zeit

Datum/Zeit
Freitag - 11.10.2019
20:30 - 23:00

Veranstaltungsort
Kino im Sprengel

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Der Filmemacher Thomas Heise schildert die Geschichte seiner Familie über vier Generationen, Eine Collage aus Bildern, Tönen, Briefen, Tagebüchern, Notizen, Geräuschen, Stimmen, Fragmenten.

Heises Film folgt den biografischen Spuren einer zerrissenen Familie über das ausgehende 19. und das 20. Jahrhundert hinweg. Es geht um Menschen, die einst zufällig zueinander fanden, dann einander verloren. Deren verbliebene Kinder und Enkel jetzt verschwinden. Es geht um Sprechen und Schweigen. Erste Liebe und verschwundenes Glück. Väter, Mütter, Söhne, Brüder, Affären, Verletzung und Glück in wechselnden Landschaften, die verschiedene, einander durchwuchernde Spuren von Zeiten in sich tragen.

Er sei der letzte, der von der Familie noch lebt, sagt der Filmemacher. Ein Jahr lang habe er alles transkribiert, was sich von seinem Bruder, seinen Eltern und Großeltern, angesammelt habe. Die Großmutter ist Jüdin, der Großvater Kommunist, beide wurden in der Nazizeit verfolgt. Der Vater war Philosophieprofessor in der DDR, der mit dem Nationalpreis geehrt wurde. Aber Heise möchte über die Familienhistorie hinaus allgemeine Abläufe sichtbar machen: "Es geht primär um das Verhältnis vom normalen Leben und der Geschichte. Individuum und Geschichte, wie gehen die miteinander um? Oder was löst das eine für das andere aus?" 

Der Film gewann den Deutschen Dokumentarfilmpreis, den Caligari-Preis bei der Berlinale 2019 und wurde auf Festivals in Berlin, Nyon und Jerusalem ausgezeichnet.
Thomas Heise, D 2019, 218 min., digital