Gedenkaktion für Hanau

Datum/Zeit
Freitag - 19.02.2021
16:30

Veranstaltungsort
Halim-Dener-Platz

Kategorien


AM 19. FEBRUAR jährt sich DER RASSISTISCHE TERRORANSCHLAG IN HANAU, der 9 Menschen das Leben genommen hat. Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin sind ihre Namen. Namen, die vergessen werden sollen. Die Politiker*innen versprachen zwar sofortige Aufklärung, doch unternahmen nichts, um ihren Worten Taten folgen zu lassen.

Dass Kanzlerin Merkel gleich nach der schrecklichen Tat Erdoğan, seines Zeichens selbst Hetzer, Mörder und frauenfeindlicher Faschist, kondolierte, zeigt die Ignoranz und das Desinteresse an den Opfern und Betroffenen – Viele Angehörige würden die Politik der türkischen Regierung beklagen. Die Politik ist nicht gewillt, Verantwortung zu übernehmen. Aus diesem Grund sehen wir uns verpflichtet, die Politik gegen Migrantisierte, FLINT*, Queers, Andersgläubige und Andersdenkende lautstark zu verurteilen.

Wir sind wütend. Wütend über die herrschende Ordnung. Wütend, dass sie nicht nur hetzen, sondern auch, dass alles Erdenkliche versucht wird, um die Getöteten vergessen zu machen. Wir sind wütend über eine Politik, die nicht nur Menschen das Leben nimmt – denn dieses Attentat hätte verhindert werden können – sondern auch versucht, das unter den Teppich zu kehren und rassistische Taten als Einzelfälle abzustempeln.
Mehr noch: Selbst bei den Ermittlungen und im Nachgang werden die Angehörigen weiter kriminalisiert. Statt einer Gefährdeten-Ansprache – immerhin fällt der Vater des rassistischen Attentäters mit zutiefst rassistischen Äußerungen sowie Klagen auf und erhebt Anspruch auf die in Gewahrsam genommenen Schusswaffen, mit denen unsere Geschwister erschossen worden – bekamen die Angehörigen eine Gefährder*innen-Ansprache, aus Angst, dass dem Vater des Mörders etwas zustoßen könnte, da er noch in Hanau lebt. Die Taten sprechen für sich.

Die Angehörigen der Getöteten in Hanau fordern seit einem Jahr von der Politik eine würdige Erinnerung, Gerechtigkeit, eine lückenlose Aufklärung und Konsequenzen. Wir schließen uns diesen Forderungen an!

Wir sind die wütende Mehrheit! Wir sind eine Initiative aus Hannover und Umgebung, die die Namen Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin niemals vergessen werden. Wir sind die Stimme aller Betroffenen von Faschismus und Rassismus. Wir sind die Stimme aller, die nicht mehr unter uns sein können. Wir sind die, die auch viele andere Namen niemals vergessen werden, nämlich die unserer Geschwister und Genoss*innen, die durch rassistische, antisemitische und faschistische Anschläge ihr Leben verloren haben. Wie dem Jugendlichen Halim Dener, der 1994 mit nur 16 Jahren auf dem Steintorplatz mitten in Hannover von einem Polizisten ermordet wurde. Selbst ein würdevoller Gedenkort wird ihm bis heute von der herrschenden Politik verwehrt.

Es ist Zeit, dieser menschenfeindlichen Politik eine klare Abfuhr zu erteilen. Unsere Antwort lautet daher: Gemeinsam Gedenken! Gemeinsam demonstrieren! Gemeinsamer Widerstand!
Deshalb rufen wir als Initiative rund um den 19. Februar alle herzlichst zu kreativen Aktionen auf. Hanau ist überall!
Auch laden wir am 19. Februar um 16:30 Uhr dazu ein, an unserem Mahnmal mitzuwirken, das wir auf dem Halim-Dener-Platz aufbauen werden, und mit uns zu gedenken. Bringt gerne dafür Kerzen, Rosen, Fotos, Gedichte etc. mit!
Anschließend wollen wir gemeinsam vom Halim-Dener-Platz aus durch die Innenstadt wütend und lautstark demonstrieren. Hanau war kein Einzelfall!

*Bitte bringt FFP2 Masken oder OP-Masken mit, um an der Kundgebung/Demo teilzunehmen.

Am 20. Februar bietet Amo – Braunschweig Postkolonial einen Online Safer Space an, wo wir uns über den vergangenen Tag austauschen können, uns empowern und Menschen teilhaben lassen, die am 19.2. nicht dabei vor Ort sein konnten. Offen für BIPoC/ Menschen die von Rassismus betroffen sind. : https://amobraunschweigpostkolonial.com/meeting-points/ (Samstag, 20.2. 19:00-20:30 Uhr)

Wir fordern:

Lückenlose Aufklärung!
Ermittler*innen sind monatelang Spuren nicht hinterhergegangen, bis die Hinterbliebenen, Familienangehörige, Freund*innen und Überlebende, selbst tagtäglich recherchierten, auf Ungereimtheiten aufmerksam machten, befragten, anklagten. Der Generalbundesanwalt muss übernehmen und konsequent ermitteln!

Rücktritt des hessischen Innenministers!
Wenn die Sicherheitsbehörden besser gearbeitet hätten, das Gefahrenpotential (und die Ankündigung der Tat) des Terroristen erkannt worden wäre, die Notrufzentrale zur Tatzeit erreichbar gewesen wäre, der Notausgang eines der Tatortes nicht durch die Polizei abgeschlossen gewesen wäre, würden Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin heute noch leben. Innenminister Beuth muss sein Amt niederlegen!

Schluss mit empathieloser Bürokratie – Hilfe für Betroffene jetzt!
Während der Hessische Landtag weiterhin an einem vermeintlich ausgeklügeltem Opfer-Fonds arbeitet, beklagen Hinterbliebene und Überlebende, dass es nach nun fast einem Jahr weder psychologische noch finanzielle Unterstützung vom Staat gibt.
Sofortige Hilfen für Betroffene!

Nazis entwaffnen!
Während Shishabars und Cafés kriminalisiert werden, dürfen Nazis weiter ihre Waffenscheine behalten und in dubiosen Schützenvereinen ganz legal Schießübungen vollziehen. Die Kontrollen für Waffenbesitzende müssen verschärft werden! Nazis den Zugang zu Waffen und Schießbuden verwehren!

Aufrichtiges Gedenken!
Während in jedem Dorf eine Stele aufgestellt wird, weil irgendwann Goethe irgendwo durchgeritten ist, werden Denk- und Mahnmale für Betroffene von rechter Gewalt verwehrt. Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin soll wie anderen Mordopfern rassistischer, antisemitischer und rechter Gewalt würdevoll gedacht werden! Benennung des Halim-Dener-Platz jetzt!