Die Uni im Kapitalismus

Datum/Zeit
Montag - 11.12.2023
19:00 - 21:00

Veranstaltungsort
Elchkeller

Kategorien

Eintritt: Eintritt frei

Erreichbarkeit mit dem Rollstuhl: Veranstaltungsräume, Toiletten und ggf. Bar mit dem Rollstuhl erreichbar

Toiletten, ggf. Umkleideräume: aufgeteilt nach flinta*-only und all-gender

Kontakt: polbil@asta-hannover.de



Zur gesellschaftlichen Funktion der Studenten

Vortrag und Diskussion

Montag, 11.12.2023, 19 Uhr

Elchkeller, Schneiderberg 50 (neben der Hauptmensa)

Wenn Studenten gegen die Unterfinanzierung der Unis, schlechte Studienbedingungen, geringe BAFöG-Sätze etc. protestieren, argumentieren einige von ihnen – zum Glück nicht alle – damit, dass es sich bei ihnen um die künftigen Leistungsträger der Nation handelt, um hochqualifizierte Arbeitskräfte, auf die die deutsche Wirtschaft und die staatliche Bürokratie jederzeit angewiesen sind. Es könne doch nicht im Interesse der Politik sein, diese „Humanressource“ stiefmütterlich zu behandeln oder ihre bestmögliche Entwicklung zu behindern.

Damit wird unterstellt, es gebe ein gemeinsames, kongruentes Interesse von Staat und Studenten. Während jeder einzelne der Studierenden ein Interesse an möglichster Erleichterung seiner Ausbildung hat, zielt der Staat jedoch darauf ab, bestimmte Mengen an spezifisch qualifizierter Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt zuzuführen, und dabei ist es ihm gleichgültig, ob Harry oder Hermione zu den Absolventen mit Lizenz zur Berufsausübung gehören. Zum „Humankapital“ der Nation gehören nur diejenigen, die tatsächlich als Arbeitskräfte fungieren, alle Überflüssigen sind Kostenfaktoren für Staat und Gesellschaft, in deren Ausbildung zu investieren sich nicht lohnt. Der Staat organisiert daher auch nicht „Bildung für alle“ an seinen Schulen und Hochschulen sondern die Konkurrenz der Schüler und Studenten um den Erwerb von Arbeitslizenzen, und er betreibt deren Selektion mit einem mehrgliedrigen Schulsystem, mit Noten, Zeugnissen, Zertifikaten und akademischen Graden.

Generell divergieren das Partikularinteresse der einzelnen Studenten an guter Ausbildung und das Staatsinteresse an der Befriedigung des Bedarfs von Wirtschaft und Verwaltung an genügendem, spezifisch qualifiziertem Arbeiternachwuchs und stehen im Einzelfall gegen einander. Die herrschende Politik betrachtet dabei in jedem Fall die Gesamtheit der Bevölkerung vom Standpunkt der Staatsräson und behandelt sie als Menschenmaterial, das es effizient einzusetzen gilt für den Erfolg der eigenen Nation in der Weltmarktkonkurrenz.

Dies ist Teil 2 einer Dreierreihe wöchentlicher Vorträge, je Montag, 19 Uhr im Elchkeller.

Teil 1 am 04.12. widmet sich dem Forschungsbetrieb, den der Staat an den Unis einrichtet, und seinen Funktionen für die kapitalistische Wirtschaft.

Teil 3 am 18.12. widmet sich dem Pluralismus in den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Freiheit der Lehre und ihren Einschränkungen durch die Verfassung.