Montag - 09.02.2026, 19:00
Libresso Libertär
Eintritt: Eintritt frei
Erreichbarkeit mit dem Rollstuhl: Veranstaltungsräume, Toiletten und ggf. Bar mit dem Rollstuhl nicht erreichbar
Toiletten, ggf. Umkleideräume: unisex
Kontakt: keine Angabe
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Einige unfertige Gedanken und Anstöße zum Weiterleben von Jonathan Eibisch
„Die Welt ist im Wandel“, lautet der erste Satz im Prolog von Herr der Ringe. Damit greift das Epos ein Grundgefühl moderner Gesellschaften auf, das sich in den letzten zweidrei Jahrhunderten immer weiter beschleunigte. Insbesondere neofaschistische Akteure greifen die damit verbundenen Unsicherheiten, Ängste, Gefühle der Entfremdung, des Neids und der Zurücksetzung auf und treiben sie voran, um potenziell totalitäre Herrschaftsordnungen im 21. Jahrhundert zu etablieren.
Die Welt um uns herum wird in vielerlei Hinsicht unberechenbarer und unsicherer. Kriege werden ausgeweitet, die Folgen der Erderwärmung zeichnen sich ab, Menschen werden in Armut gestoßen, müssen fliehen und unterfinanzierte Infrastrukturen bröckeln. Eine allgemeine Angst vor Chaos verbreitet sich. Doch worin unterscheiden sich demokratisches, faschistisches, anarchistisches Chaos? Können wir letzterem etwas Positives, Schöpferisches und Heilsames abgewinnen? Und führt vielleicht kein Weg daran vorbei, die Kontrolle zu verlieren, wenn wir die Beherrschung überwinden wollen?
Wenn Chaos nicht ignoriert wird, führt seine Zuspitzung zur Apokalypse. Diese ist ein Aspekt einer unkreativen bürgerlichen Ideologie. In bewegungslinken Kreisen wird inzwischen über „Kollaps“ als Konzept diskutiert, um sich handlungsfähig zu fühlen. Stattdessen können wir unsere Zeitwahrnehmung auch so betrachten: Permanent sterben alte Dinge und wachsen neue. Aus der Faszination für apokalyptische Vorstellungen kann die Fantasie einer grundlegenden Unterbrechung herausgeschält werden.
Damit verbunden ist der gesellschaftliche Neuanfang als stille Hoffnung darauf, eine Gesellschaftsform zu bauen, in der allen Menschen das zukommt, dessen sie bedürfen, um in Würde leben zu können. In diesem Sinne formulierten Anarchist*innen des 19. Jh. die Forderung nach einer grundlegenden „Reorganisation“ der Gesellschaft. Vielleicht braucht es dazu eine soziale Revolution. Wo aber soll diese stattfinden, wenn nicht hier? Wer sollte sie vollziehen, wenn nicht wir? Was, wenn wir uns ohne die Bezugnahme auf die Möglichkeit eines gesellschaftlichen Neuanfangs gar nicht mehr bewegen können?
Nach einem Input werden wir uns in Kleingruppen austauschen und dann gemeinsam über unsere Gedanken zum Themenkomplex Chaos-Apokalypse-Neufang sprechen.
Mehr von Jonathan Eibisch auf seinem Blog: paradox-a.de