AUS DEM ABSEITS

Datum/Zeit
Freitag - 09.09.2016
20:30

Veranstaltungsort
Kino im Sprengel

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von Simon Brückner, D 2015, 112 min., digital
Mit Barbara Sichtermann, Axel Oestmann, Theo Becker, Manfred Lauermann, Hannah Brückner, Wolfgang Brückner, Alfred Krovoza, Horst Nowak u.a.

Simon Brückners Portrait seines Vaters, des hannoverschen Sozialpsychologen Peter Brückner, skizziert nicht nur den Lebensweg eines Linksintellektuellen, sondern auch die Zerstörungen und Aufbrüche des 20. Jahrhunderts.

Vieles ist der zuletzt in Hannover arbeitende Psychologe Peter Brückner Zeit seines Lebens gewesen: ‘Halbjude’ und Ausreißer, Untergrundaktivist und Wehrmachtssoldat, Kommunist mit Parteiverbot, Vater und Familienflüchtling, Demokrat und Verfassungsfeind, erster verbeamteter Hochschullehrer mit Berufsverbot. 1982 starb der von der Protestgeneration der 1968er geliebte Gelehrte und mit ihm seine eigenwillige Sozialpsychologie der Befreiung. Sein jüngster Sohn Simon war damals vier Jahre alt. Dreißig Jahre später sucht er als Filmemacher nach seinem Vater und findet und erfindet eine Persönlichkeit mit multiplen Geheimnissen. Der Film nähert sich seiner Zentralfigur in kleinen Schritten und großen Bögen, den Zeitstrahl dabei souverän ignorierend; er lockt den Zuschauer durch eine ungewöhnlich dichte und mehrschichtige Erzählweise ebenso wie durch seinen feinen Humor und die nicht beantwortbare Frage nach der Essenz eines vergangenen Lebens. Es ist ein wenig wie bei einem Zauberkunststück: Der Mensch Peter Brückner tritt hervor, um im nächsten Augenblick wieder zu verschwinden und dann erneut dort wieder aufzutauchen, wo man es nicht erwartet hat.

Das Lebensbild AUS DEM ABSEITS zeichnet nicht nur Brüche, Fluchten und “public happiness” eines Linksintellektuellen aus dem 20. Jahrhundert nach, sondern auch die Zerstörungen und Aufbrüche dieses Jahrhunderts – getreu der Devise Peter Brückners, dass es für den einzelnen darauf ankomme, Geschichte und Lebensgeschichte in Einklang zu bringen. Simon Brückner zeigt die Stationen des zuweilen abschüssigen Weges, den sein Vater gegangen ist: als privater und politischer Mensch. Und er öffnet durch seinen persönlichen Zugang zugleich den Blick auf ein Stück “abseitiger”, verschwiegener Geschichte Deutschlands. Es entsteht das filmische Hologramm eines Provokateurs und Selbstdenkers, der in Deutschland zwangsläufig lebenslang anecken musste. Eines Menschen, der trotz seiner Sehnsucht nach Geborgenheit auf der Suche nach Freiheit war. Einer Freiheit, die stets ihren Preis hatte.

Eintritt 5 Euro, HannoverAktivPass 2,50 Euro