Dienstag - 24.10.2023, 18:00 - 21:00
Kulturzentrum Pavillon
Eintritt: Eintritt frei
Erreichbarkeit mit dem Rollstuhl: Veranstaltungsräume, Toiletten und ggf. Bar mit dem Rollstuhl erreichbar
Toiletten, ggf. Umkleideräume: binär gegendert
Kontakt: info@gi-hannover.de
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Während die klassische deutsche Philosophie der Geschichte eine teleologische Struktur und einen Sinn andichte, indem sie überempirische Handlungssubjekte (Naturabsicht: Kant, Weltgeist: Hegel) erfinde, kommt es nach Marx darauf an, dass die Menschen nach der Beseitigung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse selbst wie ein Subjekt handeln und bewusst und planvoll einen humanen Sinn im historischen Prozess realisieren. Marx’ Charakterisierung des anvisierten ›Vereins freier Menschen‹ als ein Kollektivsubjekt ist alles andere als harmlos. Er vertritt damit eine irreführende Utopie, deren politische Realisierung vermittels der ›Diktatur des Proletariats‹ scheitern muss. Mit den Marx (und Engels) zur Verfügung stehenden theoretischen Mitteln lässt sich nicht die prinzipielle Erreichbarkeit, sondern nur die prinzipielle Nicht-Erreichbarkeit der freien Gesellschaft dartun. Ihr instrumenteller Politik- und ihr defizienter Freiheitsbegriff verstellen einen angemessenen Zugang zum Problem. Die Kritik dieser Begriffe widerlegt nicht die Möglichkeit einer freien Gesellschaft, wohl aber die marx-engelssche Vorstellung davon.
Frank Kuhne ist Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Leibniz Universität Hannover. Seine Forschungsgebiete sind klassische deutsche Philosophie, kritische Theorie, marxsche Theorie. Er wurde promoviert mit einer Arbeit über Marx, habilitiert mit einer Arbeit über Selbstbewusstsein bei Kant und Fichte.
Eine Veranstaltung von GI Hannover e. V.