Angriff auf das Wohnprojekt Sprengel in der Nordstadt

In den frühen Morgenstunden des 27.08.25 wurde das Wohnprojekt Sprengel mithilfe von Buttersäure angegriffen. Buttersäure ist eine stark stinkende und bei Hautkontakt ätzende Substanz, die nur sehr schwer zu entfernen ist. Trotzdem konnte, dank einer schnellen Reaktion, ein Großteil der Säure schon nach kurzer Zeit entfernt werden. Das Hausprojekt in der Fröbelstraße in Linden hat erst vor einem Monat einen sehr ähnlichen Angriff erlebt. Das Projekt in der Fröbelstraße wurde in diesem Jahr schon mehrmals zum Ziel rechter Angriffe. Unter anderem wurden Bremskabel von Fahrrädern durchgeschnitten, in einen Veranstaltungsraum eingebrochen und dieser verwüstet, sowie Pride-Flaggen mit Deutschlandfahnen übermalt. Außerdem wurde auch schon beim zweiten Einbruch in den Punkertreff Kopernikus in der Nordstadt Anfang des Jahres Buttersäure in Innenräume verteilt sowie Möbel, Technik & Toiletten zerstört, die Räume unter Wasser gesetzt und gesprühte Deutschlandfahnen hinterlassen. Wir gehen deswegen davon aus, dass auch der Angriff auf die Sprengel Teil dieser Welle von rechten Angriffen ist.

Diese andauernde Reihe von Angriffen zeigt, dass es wichtig ist, die Lage zu verstehen, in der wir uns befinden, und ins Handeln zu kommen. Denn es handelt sich bei diesen Angriffen nicht um harmlose Jugendstreiche. Sie sind die Folge einer schon seit Längerem stattfindenden autoritären gesellschaftlichen Entwicklung und einer Verschiebung des Sagbaren nach Rechts. Im Fahrwasser von Wahlerfolgen extrem rechter Parteien, sowie einer neuen rechten (Internet-) Jugendkultur, entstehen neue, oftmals junge und gewaltbereite faschistische Gruppen, die der rechtsextremen Rhetorik von AfD und Co. mit Aktionen Nachdruck verleihen wollen. Noch probieren sich diese Gruppen aus – weder ihre Ideologie noch ihre Methoden sind gefestigt. Was nicht heißt, dass diese nicht den Kontakt zu etablierten rechtsextremen Strukturen suchen oder dass von diesen festeren Strukturen weniger Gefahr ausgeht. Im Gegenteil, rechte Gewalt hat in Deutschland eine erschreckende Kontinuität. Von den rassistischen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 über die Morde des NSU in den 2000ern bis zu dem rechtsterroristischen Anschlag in Hanau 2020. Erst im im Februar diesen Jahres wurde ein 25-Jähriger Neonazi in Hannover festgenommen, nachdem er Kränze in der Gedenkstätte Ahlem zerstört hatte. Bei ihm wurden eine Maschinenpistole und Munition gefunden. Ende letzten Jahres wurden drei Neonazis wegen versuchten Totschlags in Hannover verurteilt, bei ihnen wurde eine mögliche Bombenwerkstatt entdeckt sowie eine „napalmartige Substanz“. Währenddessen geht der Staat zunehmend repressiv gegen Antifaschist*innen vor. Es sitzen so viele Antifaschist*innen in Deutschland in Haft wie schon lange nicht mehr. Auch das bestätigt die Faschist*innen in ihrem Tun und legitimiert in ihren Augen Gewalt gegen ihre politischen Gegner*innen.

Gerade deswegen ist Widerstand so wichtig. Egal ob gestern, heute oder morgen: Wenn wir nicht wollen, dass sich der autoritäre Trend fortsetzen kann, dann müssen wir handeln. Wehren wir uns. Stellen wir uns den Faschist*innen konkret in den Weg, wenn sie Projekte oder Menschen angreifen oder diskriminieren. Untergraben wir ihren Nährboden, indem wir intervenieren, wenn Parteien der „bürgerlichen Mitte“ rechte Erzählungen übernehmen. Lassen wir nicht zu, dass Rechte sich auch nur ein Stück öffentlichen Raum nehmen, sondern lasst uns gemeinsam die Plätze mit unseren Vorstellungen eines solidarischen Miteinanders füllen. Wir werden es uns auch nicht nehmen lassen, weiter antifaschistische Feste zu feiern.

Sprecht mit euren Nachbar*innen und Freund*innen, schließt euch zusammen, achtet auf rechte Parolen/Symbole auf der Arbeit, in der Schule und auf der Straße und lasst sie nicht einfach so stehen. Organisiert euch selbst oder schließt euch bestehenden Strukturen an: Es gibt Kollektive zu Stadtteilarbeit wie „Nordstadt solidarisch“, das „offene Antifaschistische Cafe Hannover“, die Nachbarschaftsinitiative „Was mit Herz“, und offene antifaschistische Gruppen wie „Studis gegen Rechts“ und „Widersetzen Hannover“.

Wir lassen uns weder einschüchtern noch verängstigen. Lasst uns gemeinsam ins Handeln kommen! Solidarität mit allen von faschistischer Gewalt betroffenen Projekten und Personen!

Solidarität mit allen Antifaschist*innen im Gefängnis oder auf der Flucht!